Schulleben, lernen & erleben

Schulischer Rückblick auf die Corona-Zeit

Freitag, 26. Juni 2020

Am Freitag, 26. Juni ging auch im Schulhaus «Marbach» in Oberwil das Schuljahr 2019/2020 zu Ende - ein historisches Schuljahr, das aufgrund der corona-bedingten Schulschliessung in die Geschichtsbücher eingehen wird. Nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs haben wir mit Kindern und Lehrpersonen des Schulhauses über die vergangenen Wochen gesprochen. Entstanden ist ein Rückblick auf eine Zeit, die wir uns höchstens als Drehbuch eines Hollywood-Blockbusters hätten vorstellen können.

Kaum hatte die Schulglocke am 13. März 2020 die Kinder ins Wochenende geschickt, beschloss der Bundesrat die schweizweite Schliessung aller Schulen. Eine Mischung aus Schock, Fassungslosigkeit, Ungläubigkeit und Verunsicherung machte sich unter dem noch anwesenden und gespannt den Worten Alain Bersets lauschenden Lehrpersonal breit. «Wie läuft so ein Fernunterricht ab?» «Reichen meine IT-Kompetenzen dafür aus?» «Wie lange wird die Schulschliessung dauern?» Mit vielen offenen Fragen gingen wir ins Wochenende.

Während eben dieses Wochenendes arbeiteten unser IT-Verantwortlicher Yannick Schmid, die Schulleitung und das Sekretariat mit Hochdruck an Lösungen für den Fernunterricht. Ab Montag wurden dann alle Lehrpersonen Oberwils im Stil einer Druckbetankung geschult, um per sofort die Kommunikationskanäle Lehrperson - Kind und Lehrperson – Eltern aufzugleisen und den Fernunterricht zu planen. Gleichzeitig richteten sich die Schulkinder zuhause ihr «Home Office» ein und die Eltern reorganisierten das komplette Familienleben – oft selbst ab sofort von zuhause aus arbeitend. Es fühlte sich an, als würde Oberwil kurz durchgeschüttelt. Doch nachdem sich das Dorf wieder aufgerappelt hatte, lief der Fernunterricht überall an. Die Kinder bekamen via Online-Plattformen Aufträge, schauten Lernvideos, hielten Videokonferenzen und mauserten sich so zu kleinen Computerexperten. Sportaufgaben wie z.B. WC-Rollen-Challenges sorgten dafür, dass auch die Bewegung nicht zu kurz kam.

Rückblickend sehen die Kinder durchaus Vorteile im Fernunterricht. So findet es Raul aus der 3. Klasse cool, regelmässig am Laptop zu arbeiten. «Ich habe dabei viel gelernt und komme jetzt fast so gut draus wie mein Mami. Unser Lehrer hat immer wieder Videos gemacht, die ich dann herunterladen musste. Aber das war nicht schwer.» Am besten haben ihm aber die Videogespräche mit seinem Lehrer und seinen Klassenkameraden gefallen. Einen weiteren Pluspunkt des Fernunterrichts stellte wohl nicht nur Rauls Klassenkameradin Joelle fest. «Ich genoss es, dass ich während des Fernunterrichts länger schlafen konnte. Wenn ich in die Schule muss, weckt mich mein Papa immer so früh. Beim Unterricht zuhause konnte ich nach dem Zmorge sofort an die Arbeit. Ab und zu sogar noch im Pyjama.» Sie fügt aber an, dass sie auch traurig war, dass sie ihre Freunde von der Schule nicht mehr sehen konnte. Auch Rabia aus der 5. Klasse sehnte sich nach ihrer Klasse. «Es war zuhause schon langweiliger als in der Schule. Ich konnte nur mit meinem Bruder spielen. Und der ist erst 6 und spielt dauernd mit Lego.» Die Antworten der 6. Klässler zeigen, wie reif ihre Gedanken schon sind. «Wie lange dauert der Ferunterricht wohl? Wie kommen wir zu unserem Arbeitsmaterial? Werden wir trotzdem gut auf die Oberstufe vorbereitet sein?» Ihr Fazit, dass sie in dieser Zeit viel an Selbständigkeit dazugewonnen haben, zeigt aber, dass auch sie aus der Situation das Beste gemacht haben.

Nach sechs Wochen Fernunterricht und zwei Wochen Osterferien, die sich nicht wie Ferien anfühlten, durften die Schulen und Kindergärten Oberwils am 11. Mai 2020 die ersten Schritte in eine Normalität wagen, die sich noch nicht als solche anfühlte. Die Primarschule am Marbach zeigte sich bei dieser Wiedereröffnung in einem etwas veränderten Kleid. Überall standen Desinfektionsmittelspender. Der Pausenplatz wurde mittels Absperrbänder in drei Bereiche geteilt, so dass die Klassen sich möglichst nicht vermischten. Die Lehrpersonen versuchten anhand einer mit Klebeband markierten Schutzzone den Abstand von zwei Metern im Klassenzimmer möglichst zu wahren. Auch die Nutzung des Lehrerzimmers war eingeschränkt und die Anzahl Anwesender so limitiert, dass an eine gemeinsame Pause nicht zu denken war. Mit privaten Kaffeemaschinen ausgerüstet verbrachten viele Lehrpersonen in Kleingrüppchen die Pause im Klassenzimmer.

Doch die Disziplin war gut, der Seifenverbrauch hoch und die Anwesenden gesund. Verbunden mit den sinkenden Ansteckungszahlen konnten Bund, Kantone und Gemeinde das Korsett, das den Schulalltag lange Zeit einschränkte, etwas lockern. Abschiedsfeste und Kurzlager – beides besonders für die 6. Klässler ein wichtiges Thema – waren wieder möglich und wurden kurzerhand auf die Beine gestellt. Somit nahm dieses herausfordernde Schuljahr doch ein einigermassen versöhnliches Ende. Bleibt abzuwarten, welche Herausforderungen noch auf uns warten. Lasst sie uns gemeinsam meistern – Kinder, Eltern, Hauswarte, Lehrpersonen, Schulleitung, Sekretariat und Gemeinde.

Wir wünschen Ihnen einen frohen Sommer.

Für das Kollegium «Marbach»

Maria Amrein und Benjamin Keller